Luft anhalten… oder raus lassen?


Peter Burkhard


Das ist die Frage, die mich seit Wochen beschäftigt. Zuerst habe ich die Luft angehalten und geschwiegen, z.B. wie sich da Marco Rima und Andreas Thiel, die (nach eigener Massgabe) „2 führenden Intellektuellen“ der Schweiz, bei den Corona-Skeptiker*innenn anbiederten. Die suchen sicher ein neues Publikum. Schon klar – immer nur den Kasperli auf der Bühne machen ermüdet. Da wenden sich auch die eingefleischtesten Fans gelangweilt ab. Ergo: ein neues Publikum muss her, warum nicht bei den Verschwörungstheoretiker*innen, den Besserwisser*innen, den Paranoiker*innen, Impfgegner*innen und Corona-Skeptiker*innen suchen!

Zugegeben bei Nationalrat Glarner brauchte es alle meine Willenskraft um nicht zu schreien. Aber ich habe geschwiegen, lediglich bei mir gedacht, ok jetzt haben wenigstens auch die Idioten und die ganz Primitiven eine Vertretung im Parlament. Der stellt sich doch tatsächlich vor das Bundeshaus und meint, er müsste Mitmenschen – nicht zum ersten Mal übrigens – madig machen. Zum Anliegen der demonstrierenden Klimajugend hat er nichts gesagt. Inhalte sind eh nicht sein Ding, schon gar nicht das Suchen nach tragfähigen Problemlösungen; ihm liegt viel mehr das Hetzen gegen Ausländer*innen und das Verunglimpfen von selbstständig denkenden Mitmenschen.

Dass Valentin Landmann einer Ratskollegin anbot, sie in das Geheimnis der sicheren Prostitution in der Corona-Zeit, einzuweihen, ist zwar ziemlich daneben, passt aber zu diesem schleimigen „Glüschtler“ und ist eigentlich kaum eine Notiz wert. Es sei denn, Sie haben wirklich geglaubt, der Machismo sei ausgestorben.

Was aber dem Fass den Boden raus schlägt – und da kann ich beim besten Willen nicht mehr die Luft anhalten und schweigen – ist, wie die Gegner*innen der Konzernverantwortungsinitiative auftreten. Die nehmen an, wir sind alles ungebildete Idiot*innen. Wie sonst kommt man auf einen Slogan wie „Helfen ja, aber doch nicht so!“ Halten wir einmal fest, es geht bei dieser Initiative nicht um ein Hilfsprogramm. Von wegen, Hilfe – z.B. für die Ärmsten dieser Welt – das erwartet schon gar niemand mehr, von diesen geldgeilen „Säcken“ (darf man das so sagen?) …wenn es zutrifft! Es würde ja dem Anliegen der Initiant*innen schon entsprechen, wenn sich die global tätigen Schweizerischen Unternehmen an die minimalsten Standards der Menschenrechte, des Kinder- und des Umweltschutzes halten würden. Und wenn nicht, dass sie zur Verantwortung gezogen werden können. Sie kennen alle das Sprichwort „Den Bock zum Gärtner machen“; was wir jetzt vom Gegenkomitee serviert bekommen, ist der Versuch, „den Schweinehund zur Schönheitskönigin“ schön zu reden.
Die und helfen, ich glaube ich kriege Durchfall … was soll da eigentlich verschleiert werden? Dass global tätige Unternehmen im Interesse der Gewinnmaximierung sich nicht an Umweltschutz, Kinder- und Menschenrechte halten? Nur schon im Interesse der intellektuellen Redlichkeit müssten wir uns gegen solcher Art grenzdebiler Propaganda verwahren, mehr noch, im Interesse der betroffen Natur, der Kinder und Erwachsenen braucht es jetzt ein klares „Wir lassen uns nicht länger für dumm verkaufen“.


Der Beitrag wurde für den Affolter Anzeiger, Rubrik „Randnotizen“ geschrieben und dort veröffentlicht

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